Steigende Speicherpreise, ausverkaufte Produktionskapazitäten und milliardenschwere Investitionen in neue Fertigungsanlagen – für den Vorsitzenden des taiwanischen Speicherherstellers ADATA, Simon Chen, ist das erst der Anfang. Seiner Einschätzung nach wird die weltweite Nachfrage nach DRAM den Markt noch viele Jahre dominieren. Von einem Ende des KI-Booms könne derzeit keine Rede sein.
Auslöser für Chens Aussagen war der jüngste Kursrückgang der TSMC-Aktie. Obwohl der weltgrößte Auftragsfertiger für Halbleiter erneut Rekordergebnisse vorlegte, sorgte die Entwicklung an der Börse für Spekulationen, dass die Euphorie rund um Künstliche Intelligenz ihren Höhepunkt überschritten haben könnte. Chen widerspricht dieser Einschätzung deutlich. Aus seiner Sicht sei die KI-Blase noch weit davon entfernt zu platzen. Vielmehr werde sich erst nach 2030 überhaupt beurteilen lassen, ob die Nachfrage nach KI-Hardware ihren Höhepunkt erreicht hat. Erst dann könne abgeschätzt werden, ob der Bedarf an Rechenleistung, DRAM- und NAND-Flash-Speicher bis 2040 oder sogar 2050 auf ähnlich hohem Niveau bestehen bleibt.
Nach Ansicht des ADATA-Chefs gehört DRAM derzeit zu den am stärksten nachgefragten Komponenten der gesamten IT-Branche. Der Ausbau von KI-Rechenzentren, Cloud-Infrastrukturen und modernen Serverplattformen führe dazu, dass die Nachfrage deutlich schneller wächst als die Produktionskapazitäten. Die Folge: Trotz milliardenschwerer Investitionen der Speicherhersteller werde der Markt auf Jahre hinaus unterversorgt bleiben. Chen geht sogar davon aus, dass die DRAM-Knappheit noch rund zehn Jahre anhalten könnte, bevor Angebot und Nachfrage wieder in ein ausgewogeneres Verhältnis gelangen.
Zwar investieren nahezu alle großen Speicherhersteller massiv in neue Fertigungskapazitäten. Unternehmen wie Samsung, SK Hynix, Micron und auch der chinesische Hersteller CXMT erweitern derzeit ihre Produktionslinien kontinuierlich. Nach Einschätzung von Chen reichen diese Projekte jedoch nicht aus, um den erwarteten Bedarf vollständig zu decken.
Hinzu kommt, dass die Hersteller bewusst vorsichtig agieren. Die Speicherindustrie hat in der Vergangenheit mehrfach schmerzhafte Preisverfälle erlebt, nachdem zu viele neue Kapazitäten aufgebaut wurden. Entsprechend vermeiden die Unternehmen heute einen übermäßigen Ausbau ihrer Produktion, um Angebot und Nachfrage besser im Gleichgewicht zu halten und ihre Gewinnmargen zu schützen.
Der KI-Boom beschränkt sich nach Chens Ansicht nicht allein auf Arbeitsspeicher. Vielmehr profitiere die gesamte Wertschöpfungskette der Halbleiterindustrie. Neben DRAM steigt auch die Nachfrage nach NAND-Flash, leistungsfähigeren Prozessoren, KI-Beschleunigern, Speichersystemen sowie der notwendigen Energie- und Rechenzentrumsinfrastruktur. Die Investitionen in diesen Bereichen wachsen derzeit nahezu parallel und verstärken sich gegenseitig.
Sollte sich Chens Prognose bewahrheiten, dürfte dies auch Auswirkungen auf die Preisentwicklung haben. Bereits heute berichten Marktbeobachter von langfristig ausgebuchten Produktionskapazitäten und steigenden Vertrags- sowie Spotmarktpreisen für DRAM. Erst kürzlich wurde berichtet, dass der chinesische Speicherhersteller CXMT seine Produktionskapazitäten bis Ende 2027 weitgehend vergeben hat. Gleichzeitig rechnen zahlreiche Analysten damit, dass der Speicherbedarf durch KI-Anwendungen in den kommenden Jahren weiter überproportional steigen wird.
Ob die KI-Branche tatsächlich über viele Jahre hinweg in diesem Tempo wächst, bleibt abzuwarten. Die Aussagen des ADATA-Vorsitzenden zeigen jedoch, dass führende Unternehmen der Speicherindustrie derzeit nicht von einer kurzfristigen Überhitzung ausgehen. Stattdessen rechnen sie mit einem strukturellen Nachfrageboom, der weit über das laufende Jahrzehnt hinausreichen könnte.
Quelle: Commercial Times (Taiwan)

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