Aufmerksamkeitsspanne der Menschen sinkt

Verantwortlich sei stete Verfügbarkeit digitaler Inhalte

Laut einer neuen Studie sinkt die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne der Menschen, wenn sie starke Nutzer digitaler Medien sind und von mobilen Endgeräten exzessiv auf diese zugreifen. Microsoft hat mit 2000 Probanden eine Umfrage durchgeführt und von weiteren 112 Personen die Gehirnaktivität per EEG überwacht. Ziel war es, herauszufinden, wie die stete Verfügbarkeit mobiler Endgeräte und damit des Internets im Alltag die Aufmerksamkeitsspannen der Menschen beeinflusst. Ergebnis: Die Multi-Tasking-Fähigkeiten steigen drastisch, die Aufmerksamkeitsspanne fällt.

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So lag die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne im Jahr 2000 in einer vergleichbaren Studie bei 12 Sekunden. Die jüngsten Versuche ermitteln nur noch 8 Sekunden. Das ist niedriger als bei einem Goldfisch, der 9 Sekunden erreicht. Laut der Studie habe aber alles seine Vor- und Nachteile: „Während der digitale Lebensstil das Erhalten von Aufmerksamkeit erschwert, trifft das nur langfristig zu. Early Adopter und intensive Social-Media-Nutzer haben sozusagen am Anfang ihrer Nutzung einen extremen Schub hoher Aufmerksamkeit. Sie sind besser darin rasch zu selektieren was sie sehen / hören wollen und benötigen weniger Zeit für die Verarbeitung der Flut von Inhalten. Auch speichern sie Relevantes schneller in der Erinnerung ab.“

Eine weitere Studie des National Centre for Biotechnology Information and the National Library of Medicine in den USA belegt, dass 79 % der Befragten mittlerweile beim TV-Genuss auch ihre mobilen Endgeräte nutzen. 52 % greifen alle 30 Minuten spätestens zum Smartphone. Bruce Morton, ein Forscher an der University of Western Ontario am Brain & Mind Institute, hält diese Entwicklung für normal: „Als wir z. B. das Auto erfunden haben, war es für sich genommen schon eine spannende Sache. Das Konzept während des Autofahrens noch andere Unterhaltung zu nutzen, galt als komplett abwegig. Aber wenn man acht Stunden im Auto saß, reichte es auch irgendwann. Das Gehirn fing an sich zu langweilen. Darum stecken heute Radios und Bildschirme in unseren Fahrzeugen.“

Dass sich die Art, wie Menschen ihre Aufmerksamkeit einsetzen, deshalb verändere, sei ein normaler Prozess und nicht alarmierend – aber durchaus weiter erforschenswert.

Quelle: TheIndependent

André Westphal

Redakteur

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