AMD reduziert Verluste weiter

Neues Joint-Venture mit Chinesen lässt Aktienkurs steigen

Wie im Quartal zuvor konnte AMD auch in den letzten drei Monaten seine Verluste reduzieren, obwohl die Umsätze weiter zurück gegangen sind. Außerdem gibt es gute Nachrichten für die Zukunft des Chip-Spezialisten. Während Intel Stellen streicht, kommt bei AMD künftig Geld in die Kassen durch neue Spielkonsolen und ein Joint-Venture mit einem chinesischen Chip-Hersteller.

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Im Vergleich zum ersten Quartal 2015 ging der Umsatz von AMD in den letzten drei Monaten um 19 % zurück und beträgt jetzt nur noch 832 Millionen US-Dollar. AMD konnte aber den operativen Verlust deutlich reduzieren – von $137 Mio. auf zuletzt nur noch $68 Mio – und auch die Zahl unter dem Strich wurde etwas kleiner. Betrug der Nettoverlust Anfang 2015 noch $180 Mio., liegt er jetzt „nur noch“ bei $109 Mio.

Der Umsatz der „Computing and Graphics Division“ von AMD (CPUs und Grafikchips bzw. -karten) ging im Jahresvergleich um 14 % zurück, vor allem aufgrund niedrigerer Verkaufszahlen der Notebook-CPUs, aber auch hier wurde der operative Verlust etwas reduziert. AMD arbeitet also insgesamt effizienter.
Die durchschnittlichen Verkaufspreise von AMDs Prozessoren gingen in den letzten zwölf Monaten zurück, aber im gleichen Zeitraum stiegen die Verkaufspreise der GPUs.

Im Bereich „Server, Embedded and Semi-Custom“ sank der Umsatz sogar um 25 %. AMD schiebt dies auf geunkene Verkaufszahlen ihrer „semi-custom SoCs“ – hauptsächlich sind das die Spielkonsolen-Chips für Microsoft und Sony. Der operative Gewinn ging in diesem Segment stark zurück, was laut AMD daran liegt, dass man höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung hatte und in neue Produkte investieren musste.
Letzteres deutet auf neue Spielkonsolen-Chips hin und dazu sagte AMD-Chefin Lisa Su später auch, dass man in den nächsten drei oder vier Jahren Einnahmen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar aufgrund dreier neuer Spielkonsolen-Chips erwarte.
Gerüchte über eine neue Sony PlayStation Version und die Nintendo NX gab es bereits einige, aber drei neue Chips? Eventuell kommt ja doch noch eine neue Xbox One Variante von Microsoft.

Die wichtigste Neuigkeit ist aber definitiv das bislang geheim gehaltene Joint-Venture mit „THATIC“, der „Tianjin Haiguang Advanced Technology Investment Co.“ Nach Angaben von AMD werde man mit THATIC SoC für den chinesischen Server-Markt entwickeln, die als Ergänzung zu AMDs eigenen Angeboten angesehen werden können. Es handelt sich um eine Lizenzvereinbarung im Gesamtwert von bis zu 293 Millionen US-Dollar, die aber an gewisse Meilensteine geknüpft sind. Darüber hinaus erwartet AMD anteilige Lizenzzahlungen auf Basis von später verkauften Chips.
In diesem Quartal nimmt AMD deshalb bereits $52 Mio. ein und im nächsten werden es $25 Mio. sein.
Was genau an THATIC lizensiert wurde, wollte AMD-Chefin Lisa Su nicht sagen, aber sie machte klar, dass es sich ausschließlich um AMDs eigene Technologien handelt. Mit anderen Worten: Intel kann hier nicht auch noch die Hand aufhalten.
Es wird angenommen, dass AMD die Zen Mikroarchitektur an THATIC lizensiert hat, so dass diese eigene und speziell auf chinesische Bedürfnisse angepasste Server-Prozessoren entwickeln und verkaufen können. Das bedient vor allem chinesische Firmen, die lieber eigene Produkte als Intel-Importe aus Amerika kaufen wollen.
Im nachbörslichen Handel in den USA stieg AMDs Aktienkurs um 22 % nach Bekanntgabe dieser Meldung.

Für das gerade angebrochene zweite Quartal erwartet AMD einen Umsatzanstieg von 15 % (plus/minus 3 %).

Hier der Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung von AMD und Intel seit Anfang 2006:

Quartalszahlen
Quartal Firma Umsatz Gewinn
1.2006 Intel $8.940 Mio $1.357 Mio
AMD $1.330 Mio $185 Mio
2.2006 Intel $8.009 Mio $885 Mio
AMD $1.220 Mio $89 Mio
3.2006 Intel $8.739 Mio $1.301 Mio
AMD $1.328 Mio $119 Mio
4.2006 Intel $9.694 Mio $1.501 Mio
AMD $1.773 Mio -$527 Mio
1.2007 Intel $8.852 Mio $1.636 Mio
AMD $1.233 Mio -$611 Mio
2.2007 Intel $8.680 Mio $1.278 Mio
AMD $1.378 Mio -$600 Mio
3.2007 Intel $10.090 Mio $1.860 Mio
AMD $1.632 Mio -$396 Mio
4.2007 Intel $10.712 Mio $2.271 Mio
AMD $1.770 Mio -$1.772 Mio
1.2008 Intel $9.673 Mio $1.443 Mio
AMD $1.505 Mio -$358 Mio
2.2008 Intel $9.470 Mio $1.601 Mio
AMD $1.349 Mio -$1.189 Mio
3.2008 Intel $10.217 Mio $2.014 Mio
AMD $1.776 Mio -$67 Mio
4.2008 Intel $8.226 Mio $234 Mio
AMD $1.162 Mio -$1.424 Mio
1.2009 Intel $7.145 Mio $629 Mio
AMD $1.177 Mio -$416 Mio
2.2009 Intel $8.024 Mio -$398 Mio
AMD $1.184 Mio -$330 Mio
3.2009 Intel $9.389 Mio $1.856 Mio
AMD $1.396 Mio -$128 Mio
4.2009 Intel $10.569 Mio $2.282 Mio
AMD $1.646 Mio $1.178 Mio
1.2010 Intel $10.299 Mio $2.442 Mio
AMD $1.574 Mio $257 Mio
2.2010 Intel $10.765 Mio $2.887 Mio
AMD $1.653 Mio -$47 Mio
3.2010 Intel $11.102 Mio $2.955 Mio
AMD $1.618 Mio -$118 Mio
4.2010 Intel $11.457 Mio $3.180 Mio
AMD $1.649 Mio $375 Mio
1.2011 Intel $12.847 Mio $3.160 Mio
AMD $1.610 Mio $510 Mio
2.2011 Intel $13.032 Mio $2.954 Mio
AMD $1.574 Mio $61 Mio
3.2011 Intel $14.233 Mio $3.468 Mio
AMD $1.690 Mio $97 Mio
4.2011 Intel $13.887 Mio $3.360 Mio
AMD $1.691 Mio -$177 Mio
1.2012 Intel $12.906 Mio $2.738 Mio
AMD $1.585 Mio -$590 Mio
2.2012 Intel $13.501 Mio $2.827 Mio
AMD $1.410 Mio $37 Mio
3.2012 Intel $13.457 Mio $2.972 Mio
AMD $1.269 Mio -$157 Mio
4.2012 Intel $13.477 Mio $2.468 Mio
AMD $1.155 Mio -$473 Mio
1.2013 Intel $12.580 Mio $2.045 Mio
AMD $1.088 Mio -$146 Mio
2.2013 Intel $12.811 Mio $2.000 Mio
AMD $1.161 Mio -$74 Mio
3.2013 Intel $13.483 Mio $2.950 Mio
AMD $1.461 Mio $48 Mio
4.2013 Intel $13.834 Mio $2.625 Mio
AMD $1.589 Mio $89 Mio
1.2014 Intel $12.764 Mio $1.947 Mio
AMD $1.397 Mio -$20 Mio
2.2014 Intel $13.831 Mio $2.796 Mio
AMD $1.441 Mio -$36 Mio
3.2014 Intel $14.554 Mio $3.317 Mio
AMD $1.429 Mio $17 Mio
4.2014 Intel $14.721 Mio $3.661 Mio
AMD $1.239 Mio -$364 Mio
1.2015 Intel $12.781 Mio $1.992 Mio
AMD $1.030 Mio -$180 Mio
2.2015 Intel $13.195 Mio $2.706 Mio
AMD $942 Mio -$181 Mio
3.2015 Intel $14.465 Mio $3.109 Mio
AMD $1.061 Mio -$197 Mio
4.2015 Intel $14.914 Mio $3.613 Mio
AMD $958 Mio -$102 Mio
1.2016 Intel $13.702 Mio $2.046 Mio
AMD $832 Mio -$109 Mio

Quelle: AMD

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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