Windows 11 beschleunigt jetzt auch App-Starts per CPU-Boost

August-Update erweitert neues „Low Latency Profile“ über Systemfunktionen hinaus

Microsoft erweitert mit dem August-Update für Windows 11 sein „Low Latency Profile“. Die Funktion, die bislang vor allem für Systemoberflächen wie Startmenü, Suche und das Benachrichtigungscenter eingesetzt wurde, soll nun auch beim Start gewöhnlicher Anwendungen für eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit sorgen.

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Das im Mai erstmals getestete Prinzip, um Windows 11 deutlich schneller und responsiver zu machen, nennt sich „Race to Sleep“. Anstatt die CPU-Taktfrequenz bei kurzfristiger Last schrittweise anzuheben, fordert Windows für einen kurzen Zeitraum eine deutlich höhere Frequenz an – im Idealfall nahe dem maximalen Takt des Prozessors. Die anstehende Aufgabe wird dadurch schneller abgearbeitet. Anschließend kann die CPU wieder in einen tieferen Idle-Zustand wechseln.

Tests nach der Installation von KB5121003 deuten darauf hin, dass nun auch normale Anwendungen das Verhalten auslösen können. Auf einem Notebook mit Intel Core i5-13420H Prozessor wurde beim Öffnen verschiedener Programme ein ein bis drei Sekunden langer Frequenzschub auf den Performance-Kernen beobachtet. Die Effizienzkerne sollen während des Startvorgangs ebenfalls auf rund 80 Prozent ihres maximalen Takts gestiegen sein.

Getestet wurden unter anderem Notepad, Taschenrechner, Chrome, PowerPoint, VLC, die Wetter-App und der Epic Games Store. Bei anspruchsvolleren Anwendungen kann das vollständige Laden der Benutzeroberfläche trotzdem mehrere Sekunden dauern. Das Low Latency Profile beseitigt schließlich weder langsame SSDs noch Netzwerk- oder andere I/O-Flaschenhälse.

Microsoft hatte für die Funktion bereits zuvor deutliche Verbesserungen in Aussicht gestellt. Demnach soll die Reaktionszeit von System-Pop-ups unter optimalen Bedingungen um bis zu 70 Prozent sinken, während sich Anwendungsstarts um bis zu 40 Prozent beschleunigen können. Diese Werte sind allerdings als Best-Case-Angaben zu verstehen. Die tatsächliche Wirkung hängt unter anderem vom Prozessor, Massenspeicher, der jeweiligen Software und den gewählten Energieeinstellungen ab.

Interessant ist der mögliche Einfluss auf die Energieeffizienz. Durch den kurzen Leistungsschub soll der Prozessor eine Aufgabe schneller abschließen und anschließend früher in einen sparsamen Ruhezustand wechseln. Dadurch könnte die durchschnittliche Leistungsaufnahme trotz der höheren Spitzenfrequenz unverändert bleiben oder zumindest nur geringfügig steigen.

Ganz ohne Nebenwirkungen muss der Ansatz jedoch nicht sein: Die kurzfristigen Frequenzsprünge können die momentane Leistungsaufnahme und damit auch die Temperatur des Prozessors erhöhen. Gerade bei kompakten Notebooks dürfte die konkrete Umsetzung deshalb vom Kühlsystem und den jeweiligen Power-Limits abhängen.

Die Verteilung des erweiterten Profils erfolgt schrittweise. Voraussetzung kann ein Windows-11-Build ab 26200.8524 sein. Wer die Funktion noch nicht erhält, sollte daher zunächst auf die reguläre Freischaltung warten. Das manuelle Aktivieren experimenteller Feature-Flags ist vor allem für Nutzer interessant, die bewusst neue Windows-Funktionen testen und mögliche Nebenwirkungen in Kauf nehmen. Experimentierfreudige Nutzer haben die versteckte Funktion für den CPU-Boost aber vielleicht schon im Juni manuell aktiviert.

Quelle: ITHome (China)

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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