CeBIT 2002

Interessantes, aber wenig Neues auf der weltgrößten Computermesse

Drei anstrengende, aber auch nette Tage auf der CeBIT 2002 in Hannover liegen nun hinter uns. Wir müssen festhalten, dass es zwar viele interessante Dinge zu sehen gab, allerdings nur wenig wirklich Neues für einen Hartware-Redakteur oder regelmäßigen Leser dieser Seiten dabei war. Wir haben an dieser Stelle bereits über die wichtigsten der auf der CeBIT zu findenden Technologien im Bereich Computer-Hardware berichtet. Deshalb sparen wir uns dieses Jahr einen ausführlichen CeBIT-Report und führen hier nur ein paar Highlights auf.

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Prozessoren:

Auf dem Intel-Stand konnte man bereits einen Blick auf ein laufendes System mit dem nächsten Modell des Pentium 4 Northwood mit 2.4 GHz werfen. Dieser ist wie bisher mit dem 400 MHz Front Side Bus ausgestattet. CPUs mit dem erhöhten FSB von 533 MHz werden folgen.
Nach der Vorstellung des Athlon XP 2100+ am Mittwoch konnte man bei AMD hinter den Kulissen schon einen kleinen Blick in die Zukunft werfen. Man zeigte zum einen den neuen XP auf Basis des in 130nm (0,13µ) gefertigten Thoroughbred-Kerns. Dieser wird in Kürze eingeführt. Offizielle Aussage von AMD: erste Jahreshälfte. Ob schon in diesem Monat oder im nächsten Quartal, wollte man nicht verraten.
Zum anderen wurden in einem Hinterzimmer die schon vor einigen Wochen in den USA präsentierten Systeme mit den x86-64 Hammer-Prozessoren gezeigt. Durch den in die CPU integrierten Memory Controller und die Hypertransport-Technologie wird das Design eines Mainboards übrigens sehr einfach. Eine herkömmliche Northbridge ist nicht mehr notwendig, lediglich ein ‚AGP Tunnel‘ Chip muss neben der Southbridge noch auf der Platine platziert werden.
Die Einführung der Hammer-Modelle ist immer noch für Ende diesen Jahres geplant.

Mainboards:

Fast alle Mainboard-Hersteller präsentierten Platinen mit dem VIA KT333 Chipsatz für AMD-Prozessoren. Der SiS745 Chipsatz erfreut sich deutlich größerer Beliebtheit als der Vorgänger SiS735, der hierzulande praktisch nur auf einem Elitegroup-Board zu finden war. Der Nachfolger wird dagegen auch von anderen großen Herstellern eingesetzt, z.B. von AOpen, ASUS, EPoX, MSI etc. Die SiS-Boards werden dabei eher im unteren Preis-Segment zu finden sein, während man bei KT333-Platinen mit allerlei Features und damit auch höheren Preisen rechnen muss.

Neben den bekannten Platinen mit Intel i845D Chipset für den Pentium 4 wurden bereits die Nachfolgemodelle mit den i845E, i845G und i845GL Chipsätzen gezeigt. Diese sind noch nicht offiziell von Intel angekündigt worden, deshalb hielt sich mancher Hersteller noch mit Infos zurück. Alle neuen Chipsätze unterstützen den kommenden FSB der Pentium 4 CPUs von 533 MHz. i845G und i845GL besitzen einen von Intel entwickelte integrierte Grafikkern, der etwa auf dem Leistungsniveau einer GeForce2 MX400 liegen soll.
Billiger als die Mainboards mit Intel-Chipsatz werden die Modelle mit dem bereits letzte Woche vorgestellten SiS645DX Chipsatz, der auch von fast allen Herstellern eingesetzt wird.
Den VIA P4X266A bzw. den Nachfolger P4X333 lassen dagegen viele Firmen wegen der anhaltenden Rechtsstreitigkeiten zwischen VIA und Intel immer noch links liegen.

Die am Mittwoch vorgestellten neuen Chipsätze von ATI Technologies werden noch eine Weile auf sich warten lassen. Im Mai sollen die ersten Mainboards mit dem Radeon IGP 320 für AMD-Prozessoren erscheinen. Platinen mit den Radeon IGP 330 und 340 für den Pentium 4 sollen im Sommer folgen. Die integrierte Grafik soll nach Angaben von ATI der einer Radeon VE entsprechen.
Als Partner konnte ATI u.a. FIC, Fujitsu, Gigabyte und Powercolor gewinnen. Andere Hersteller halten sich noch zurück. Auf Nachfrage wurde diese Haltung mit der Unsicherheit über die Leistungsfähigkeit der ATI-Chipsätze und dem sowieso schon recht umfangreichen Produkt-Portfolio begründet.

Grafikkarten:

Die ATI Radeon 7500 und 8500 Grafiklösungen dagegen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Ohne es genau gezählt zu haben, scheint das Verhältnis von ATI- und nVidia-Chips auf den präsentierten Grafikkarten etwa ausgeglichen zu sein. nVidia selbst ist nicht allzu besorgt, dass sich z.B. Hercules und Gigabyte von ihnen abgewandt haben, und verweist auf die weiterhin lange Liste ihrer Partner. Man wird abwarten müssen, ob sich das Kräfteverhältnis weiter verschiebt.
Mit Macht wollen die in den USA jeweils etwa 20% Marktanteil (im Retail-Bereich) besitzenden Firmen PNY und VisionTek auf den deutschen Markt. Beide setzen komplett auf die GeForce4 MX und Ti Modelle. VisionTek konnte einen zeitlichen Vorsprung bei der Verfügbarkeit des Top-Modells Ti4600 erzielen (ist schon vereinzelt erhältlich), aber PNY scheint bei der Gewinnung von Handelspartnern vorn zu liegen.
Interessantes Detail am Rande dieses Duells: die Website visiontek.de wird momentan als private Homepage genutzt und trägt mysteriöserweise ein Werbebanner vom Konkurrenten PNY!

Übrigens dürften die nächsten GeForce4 Ti4600 Grafikkarten in der nächsten oder übernächsten Woche verfügbar sein, wie uns der ein oder andere Hersteller mitteilte. Die Preise dürften bei etwa 500€ und leicht darüber liegen.
Allerdings muss man auf umfangreich ausgestattete bzw. “Deluxe“-Versionen noch bis Anfang oder Mitte April warten.

Der KyroII SE wurde vor allem von Hercules und VideoLogic präsentiert. Entsprechende Grafikkarten dieses um 25MHz höher getakteten Kyro2 werden voraussichtlich noch ein paar Wochen auf sich warten lassen. Sie sind eindeutig auf den Mainstream ausgerichtet.
Nach Angaben der Hersteller kann das neue im Treiber implementierte “enhanced Transform And Lighting“ manche Anwendungen und Spiele um 5-15% beschleunigen.

Sonstiges:

Besucher-mäßig können wir die Berichte in der Tagespresse bestätigen. Am Mittwoch war sehr wenig Andrang und es ließ sich bequem oder auch schnell – je nach Termindruck – durch die Gänge spazieren. Der Besucherstrom nahm aber am Donnerstag und nochmals am Freitag zu.

Trotz der allgemein schlechteren wirtschaftlichen Situation der Hersteller wurde nicht an Standparties gespart. Besonders groß war der Andrang bei Intel, die aber auch eine hervorragende Musikgruppe mit einer exzellenten Sängerin präsentieren konnten. Bei Terratec ging es wie üblich laut und lustig zu, während die gepflegte Cocktail-Party bei AOpen vor allem durch die professionellen Bar-Keeper und Cocktail-Mixer überzeugen konnte. Eher ruhiger ging es auch bei AMD (exquisites Mexican Food!) und der Happy-Hour von EPoX (Sängerin mit guter Stimme!) zu.

AMD Clawhammer
Pentium 4 Mode

Frank Schräer

Herausgeber, Chefredakteur und Webmaster

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