Computerspiele als neues Leitmedium?

Sollen andere Medien prägen

Glaubt man Gundolf S. Freyermuth, Professor für angewandte Medienwissenschaften an der Internationalen Filmschule Köln, sind Computerspiele mittlerweile ein neues Leitmedium, das Fernsehen und Kino prägt. So sieht er etwa in Online-Diensten wie MUBI, die auch von Spielekonsolen aus erreichbar sind, einen weiteren Todesstoß für die traditionelle Kinobranche: „Ich muss nicht mehr 7 oder 8 Euro bezahlen und auf abgewetzten Kinostühlen sitzen, um einen Film zu sehen.“ Gleichzeitig sorgt die nonlineare Erzählstruktur in Computerspielen dafür, dass Filmemacher umdenken müssen.

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Menschen seien heute von Computer- und Videospielen Interaktivität gewohnt – dagegen wirken lineare Filme, die man nur passiv konsumieren kann, laut Freyermuth altbacken.

Für Freyermuth sind Computerspiele daher das Leitmedium der Zukunft. Allerdings werden traditionelle Kinofilme deswegen genau so wenig verschwinden wie es das Theater beim ersten Auftauchen von Lichtspielhäusern tat. Doch die Rolle der Filmindustrie soll in Zukunft wesentlich geringer ausfallen und hinter die Spieleindustrie zurücktreten.

Parallel ändern viele Filmemacher ihre Erzählstrukturen und experimentieren mit nonlinearen Vorgehensweisen, wie laut Freyermuth etwa „Memento“ zeigt. Erkennbar ist die Veränderung in der Branche sehr gut an älteren Filmen wie „Casablanca“, die aus heutiger Sicht in ihrer Inszenierung eher an Theaterstücke erinnern. Betrachtet man dagegen moderne Filme wie „Scott Pilgrim vs. the World“ oder „Kick-Ass“, lassen sich starke Einflüsse aus der Spieleindustrie ausmachen.

Laut Freyermuth sehen wir hier nur den Anfang einer größeren Entwicklung, die dazu führen wird, dass Computer- und Videospiele Kinofilme bald in ihrer Bedeutung ablösen.

Quelle: BerlinerZeitung

André Westphal

Redakteur

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