Chip-Preise steigen deutlich an

Erdbeben in Japan zeigt erste wirtschaftliche Auswirkungen

Das Erdbeben in Japan hat in erster Linie für menschliche Tragödien gesorgt und immer noch hält die Welt den Atem an, weil die Katastrophe im Atomkraftwerk in Fukushima sich ständig verschlimmert. Doch auch die internationale Industrie bekommt die Auswirkungen des Bebens zu spüren: Die Preise für diverse Komponenten stiegen drastisch an. Analysten gehen davon aus, dass die Versorgung in internationalen Zuliefererketten, länger als anfangs vermutet, gestört sein wird. iSupplis Analysten berichten, dass zwar die japanischen Fabriken weitgehend intakt seien, die logistischen Probleme aber enorm wären.

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iSuppli rechnet deswegen mit deutlichen Preisanstiegen bei NAND-Flash-Speicher, DRAM, Micro-Controllern, LC-Displays und weiteren Komponenten, die in Monitoren und TVs zum Einsatz kommen. Die Preise für Flash-Speicher stiegen Montag bereits um 20 % an und heute nochmals um 3 %. Eine Störung der Produktion und Auslieferung für 2 Wochen wirkt sich noch bis zum dritten Quartal 2011 aus, erklären die iSuppli-Analysten.

Toshiba musste etwa bereits eine Fabrik vorübergehend schließen und ist noch unsicher, wann der Betrieb wieder aufgenommen wird. Texas Instruments erwartet nach Problemen in zwei Fabriken erst im Juli wieder die volle Produktionskapazität zu erreichen. Sony musste dagegen acht Fabriken schließen, die etwa Blu-ray-Disks, Chips und Lithium-Batterien herstellen. Wann die Produktion erneut anläuft, ist offen.

Viele Hersteller wollen nun aufgrund der Probleme in Japan auf andere Zulieferer aus China, Taiwan oder sogar Frankreich zugreifen. Kurzfristig erwarten die meisten Firmen zunächst keine Auslieferungsengpässe, da noch genug Lagerbestände vorhanden seien. Langfristig rechnet man mit Problemen, da Japan z. B. einer der wichtigsten Zuliefer für Wafer bzw. Siliziumscheiben ist.

Über die konkreten langfristigen Auswirkungen ist man sich bei den Analysten noch uneins. Dies liegt auch daran, dass die einzelnen Firmen mit ihren Standorten in Japan sehr unterschiedlich von der Erdbeben-Katastrophe betroffen sind. Japans Wirtschaft soll insgesamt ein dreistelliger Milliardenbetrag als Schaden entstanden sein.

Quelle: Reuters

André Westphal

Redakteur

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