Unvollständige Games mit „Live-Service“ retten

Zwiespältiger Trend zeichnet sich ab

Der Publisher Electronic Arts sorgte zuletzt etwa mit dem Online-Zwang des Spieles „Sim City“ für Aufregung in der Gaming-Community. Kürzlich konzentrierte sich der Ärger der Zocker aber auf Ubisoft, die sich mit „Assassin’s Creed Unity“ gleich mehrfach in die Nesseln setzten. Doch jetzt heizt EA die Diskussionen erneut an, denn man bewirbt die zahlreichen Patches und Mini-Content-Updates für das Spiel „Die Sims 4“ als sogenannten „Live-Service“. Skeptiker bewerten das allerdings eher als Rettungsmaßnahme für ein Spiel, das unfertig ausgeliefert wurde.

Anzeige

Während Ryan Vaughan, der Producer von „Die Sims 4“, den Live-Service als Zusatzleistung für die Käufer des Spieles bewirbt, meinen Kritiker, dass hier lediglich Inhalte nachgeliefert würden, die von Anfang an Teil des Spieles hätten sein sollen. So erntete „Die Sims 4“ nicht nur deutlich schlechtere Durchschnittswertungen als der direkte Vorgänger „Die Sims 3“, sondern verkaufte sich bisher auch schlechter. Verantwortlich machen zumindest die Gamer und die Fachpresse fehlende Inhalte wie Kleinkinder, Swimming-Pools oder Geister. All die genannten Features enthielt „Die Sims 3“ von Anfang an. Der Live-Service scheint für viele weniger ein Schmankerl als eine geschickt vermarktete Rettungsaktion für ein Spiel zu sein, das mehr Entwicklungszeit benötigt hätte, um die Aktionäre zufrieden zu stellen aber verfrüht veröffentlicht wurde.

Gamer fürchten nun, dass sich hier ein bedenklicher Trend entwickeln könnte: Publisher liefern Spiele womöglich verstärkt nur noch als Basis-Versionen aus, um sie nachträglich per Live-Service in den Zustand zu versetzen, den man früher als selbstverständlich vorausgesetzt hatte. Klar, dass der sogenannte Live-Service bei vielen Spielen dann auch kostenpflichtig werden könne. Diese Strategie mag bei Free-to-Play-Spielen in Ordnung sein, wird aber problematisch, wenn der ehrliche Käufer 60 Euro für ein unfertiges Produkt berappt. Hier könnten Spieler dann nur mit ihrem Geldbeutel das Schlimmste verhindern: Am besten man kauft erst, wenn das Spiel dem vollständigen, erwarteten Zustand entspricht.

Quelle: Gamestar

André Westphal

Redakteur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.