Sony bereitet sich offenbar konsequent auf das Ende physischer PlayStation-Spiele vor. Nachdem das Unternehmen angekündigt hat, neue PlayStation-Titel ab 2028 ausschließlich digital zu vertreiben, beginnt nun auch der Umbau der letzten verbliebenen Produktionsstätte für PlayStation-Discs.
Betroffen ist das Sony-Werk im österreichischen Thalgau, das laut dem österreichischen Sender ORF Salzburg derzeit rund 600.000 optische Datenträger pro Tag fertigt. Etwa die Hälfte dieser Produktion entfällt auf PlayStation-Spiele. Damit machen die Spiele-Discs derzeit rund 20 Prozent aller Produktionsaufträge des Standorts aus. Noch spielen physische Datenträger also eine wichtige Rolle. Allerdings stellt Sony bereits jetzt die Weichen für eine Zukunft, in der Blu-ray-Discs für Videospiele keine zentrale Bedeutung mehr haben.
Anstatt das Werk zu schließen, investiert Sony rund 30,1 Millionen US-Dollar in den Umbau der Produktionsanlagen. Künftig sollen dort hochpräzise optische Mikrolinsen gefertigt werden. Diese Komponenten kommen in zahlreichen Industriezweigen zum Einsatz. Als einer der ersten Zielmärkte gilt die Automobilbranche, wo Mikrolinsen unter anderem in modernen Lichtsystemen verwendet werden. Darüber hinaus finden Präzisionsoptiken Anwendung in Sensoren, Kameratechnik sowie verschiedenen industriellen Mess- und Bildverarbeitungssystemen. Mit diesem Schritt diversifiziert Sony die Produktion und erschließt neue Geschäftsfelder außerhalb des Gaming-Marktes.
Besonders bemerkenswert: Der Umbau soll ohne Stellenabbau erfolgen. Werksleiter Dietmar Tanzer bestätigte, dass sämtliche rund 300 Beschäftigten am Standort übernommen werden. Die Mitarbeiter werden bereits für die neuen Fertigungsprozesse weiterqualifiziert, sodass das vorhandene Know-how erhalten bleibt. Für Sony bedeutet das einen vergleichsweise reibungslosen Übergang: Statt erfahrene Fachkräfte zu verlieren, wird das Werk schrittweise auf die Produktion hochwertiger Industriekomponenten umgestellt.
Der Schritt überrascht kaum. Seit Jahren verschiebt sich der Spielemarkt immer stärker in Richtung digitaler Distribution. Schnellere Internetverbindungen, größere SSDs, digitale Stores sowie Abo-Dienste haben dazu geführt, dass Downloads für viele Spieler inzwischen zum Standard geworden sind. Für Publisher bietet der digitale Vertrieb zudem erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Kosten für Pressung, Verpackung, Lagerhaltung und Versand entfallen nahezu vollständig. Physische Editionen bleiben zwar für Sammler und bestimmte Handelsmärkte relevant, ihr Anteil am Gesamtmarkt sinkt jedoch kontinuierlich.
Trotzdem wird der Schritt zum ausschließlich digitalen Vertrieb massiv kritisiert. Spieler sehen sich von den Konzernen dazu genötigt und werden künftig keine Wahl mehr haben, ob sie die Titel in den Schrank stellen können oder ihnen der Download genügt.
Quelle: ORF Salzburg

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